Freitag, August 11, 2006

Victoria Falls

Wer weiss schon, wie lange ich noch in Bulawayo geblieben waere, wenn ich kein Zugticket in Richtung Vic Faelle in der Tasche gehabt haette. Der Abschied nach nur 3 Tagen viel mir nicht einfach. Unsere kleine Gemeinschaft im Youth Hostel war mir wirklich ans Herz gewachsen. Gestaerkt von einem traditionell afrikanischem Lunch (Schima (Mais Fladen), Kraut, Bohnen, Fleisch (meist Huhn)), ging es dann in den Zug. Nicht irgendeinen, sondern einen wie neu renoviert aus Rohdesischen Zeiten, gerade aus dem Museum gefahren. Ein ganzes Abteil fuer mich allein, Luxus aus laengst vergangenen viktorianischen Herrschaftszeiten. Schnaubend nimmt der Zug Fahrt auf. Die edle Holzverkeidung der Zugabteile knirscht, als sich der Wagen in Bewegung setzt. Die Fahrt kann man mit einer U-Bahn Fahrt vergleichen. Fuer die 451 km benoetigt der Zug die ganze Nacht. Staendig scheinen wir irgendwo anzuhalten, um noch mehr Leute in die ueberladene 3. Klasse aufzunehmen. Ich liege hier extrem dekadent im Bett und in meiner Kabine waere noch gut Platz fuer 3 Personen mit Gepaeck. Selbst die Matratze kommt noch aus viktorianischer Zeit, doch ich will nicht ueber mangelnden Komfort klagen. Beinahe fuehle ich mich wie ein britischer Kolonialherr, wenn nicht im Nachbarabteil eine Gruppe Hollaender schnattern und kichern wuerde, als waeren wir im Zug von Eindhoven an die Nordseekueste. Wiedereinmal erweisst sich mein MP3-Player als unverzichtbarer Teil meiner Ausruestung. Mit den ersten Sonnenstrahlen, setzte ich mich ans Fenster und entdecke im vorbeifahren einen jungen Elefanten und eine Horde Affen, mein erster echter Wildtierkontakt. Der Zug erreicht schliesslich den Ort Victoria Falls. Wie der Ortsname schon sagt, hier dreht sich alles um die beruehmten Wasserfaelle, die zum UNESCO Welt Natur Erbe gehoeren. Der Ort ist eine einzige "Tourimeile". Es reihen sich Souvenirshops an Fast Food Restaurants und Safari Agenturen. Die Stassen werden belagert von Geldtauschern, Taxifahrern und Bettlern, die jeden vorbeikommenden Touri, auf die afrikanisch offensive Art, umwerben. Auf dem Weg zum Shoestring Backpacker lerne ich gezwungener Massen jeden einzelnen persoenlich kennen. Das Shoestring Backpacker ist mit 4$ Camping die Nacht, zwar deutlich teuerer als die "guenstigste Juhe der Welt" in Bulawayo, dafuer aber immernoch unter Suedafrikanischem Preisniveau. Ich lasse mich entspannt nieder und geniesse die angenehm warme Atmosphaere. Sofort bekomme ich freundliche, doch nicht eingeforderte Angebote, aller Art: Massaage, Haar Design, River Rafting, Bungee, Heliflug ueber die Wasserfaelle, River Speedboot Rafting Sunset Tour etc. meistens "nur" fuer 100$, US$ natuerlich, ZIM$ will hier keiner. Der Tourist, scheint nur geduldeter Gast zu sein, solange er US$ zum ausgeben hat; Strategie: $aussaugen$ Stammgaeste werden so wohl kaum gewonnen. Ich beschliesse, schon aus Konsumprotestgruenden, mich auf das Minimalprogramm zu beschraenken und das waere: Besichtigung der Wasserfaelle im Fussmarsch, einmal und nur von der Zim-Seite. Der einfache Blick auf das Naturwunder kostet den Touri schlappe 20US$.
Gegen Abend bekomme ich besuch auf dem Zeltplatz. Christoph ist mit dem Fahrrad vom Nordpol Richtung Suedpol unterwegs und baut sein Zelt neben dem meinem auf. Wir verbringen den Abend mit einer interessanten Disskusion ueber das Fotografieren auf Reisen und natuerlich unseren Erlebnissen auf dem Weg hierher. Ich nehme mir vor, in Zukunft viel mehr zu fotografieren. Bisher habe ich die Kamara viel zu oft, sei es aus Skrupel oder Bequemlichkeit, stecken lassen. Der neuen Fotoenthusiasmus wird gleich am naechsten Tag auf die Probe gestellt. Die Vic Faelle sind wahrscheinlich einer der meist fotografiertesten Attraktionen Afrikas. Horden von Japern und anderen Hobby-Pro-Fotografen ziehen an mir vorbei, um jeden der bis zu 92m herunterfallenden Wassertropfen digital abzulichten.


Der Anblick ist beeindruckend, doch der Besuch erscheint mir wie ein Standardprogramm, welches abgehakt wird und von selbst ablaeuft. Wirkliche Ueberraschung ist meine zweite Begegnung mit 2 Elefanten. In den fruehen Morgenstunden, auf dem Fussweg von Zimbabwe nach Zambia, stehe ich mitten im Wald nur knappe 20m von den beiden Kolossen entfernt. Die zwei scheinen an Menschen gewoehnt zu sein und die Einheimischen an die Elefanten. Weder Mensch noch Tier laesst sich grossartig aus der Ruhe bringen. Und so bleibt die Kamera wiedereinmal stecken, um mich nicht als beeindruckt-gaffender Touri dazustehen; zu dumm, leider kein Foto von den groessten der "Big5"
Der beste Deal um nach Zambia zu reisen, ist das im Backpackers Bazaar angebotene Jollyboys Packet. Fuer 25US$ erhaelt man das Visum (kosten sonst schon 20US$,) einen Transfer zum Jollyboys Backpackers in Livingston, 3 Uebernachtungen im Zelt, 2x Dinner, 1x Drink. Der Tourismusboom auf der Zambia-Vic-Seite ist noch um einiges groesser als auf der Zim Seite. Ganze Schulklassen aus England campieren hier mit mir zusammen. Es draengt sich Zelt an Zelt und die "Touri-Entertainment-Maschenerie" laeuft auf Hochtouren. Wer "nur" raften in den Zambesi Stroemen war, darf sich von anderen vorschwarmen lassen, wie toll das Skydiven ueber den Faellen doch waere. Ich beschliesse schliesslich meinen Afrikaabschied auch mit einem Sport/Entertainment-Highlight zu kroenen. Doch nicht hier, sondern in Namibia beim Sandboarden!

1 Kommentar:

Essig hat gesagt…

Servus Urlauber,

Deine Berichte sind einfach Wahnsinn!!! Geniös geschrieben mal wieder! Weiterhin ne gute Zeit.

Take care

cheers

Essig ;)